Sonnabend, 31. Juli 2004


Am Donnerstag von der Askja kommend, hatten wir, also Alet, Ian und ich, den Abend in Reykjaliğ bei Piiiii-za bzw. Fish'n'chips im "Zanzibar" ausklingen lassen. Am nächsten Morgen brachte mich der Bus durch einen Sandsturm nach Nıidalur. Allerdings fegte der Sturm auch durch den Bus, da das Fenster des Fahrers aufgrund der ständigen Rüttelei immer wieder herunterrutschte, und bald war das gesamte Innere einschließlich unserer kleinen Reisegruppe mit einer gelben, stumpfen Staubschicht überzogen. In Nıidalur selbst machte der Sturm sich nicht die Mühe, mit Sand zu spielen, sondern dezimierte ein Zeltlager von Adventure-Tours. Zehn von vierzehn Zelten waren bereits in flatternde, knatternde Stoffhüllen verwandelt worden, die der Koch, ein Berliner Student, schicksalsergeben zusammenrollte und ins Küchenlzelt trug. Er war schon einige Wochen hier, sorgte für die Verpflegung der immer neuen Gruppen, spannte die Zeltschnüre nach, beobachtete vom Hüttenfenster aus Stürme und Regenschauer und hielt inzwischen Zelte in dieser Region des Landes für keine geeignete Behausung. Zumindest angesichts der aktuellen Wetterbedingungen mußte ich ihm zustimmen. Ich schwankte bis zum Abend "Hütte?... Zelt?... Hütte?... oder doch besser...?" und entschied mich schließlich.

Gegen 7 wird es munter in der Hütte. Ich besorgte mir den Schlüssel von der Warden und gehe erstmal duschen. Die Küche ist belegt von kaffeetrinkenden, schwätzchenhaltenden Isländern. Aus dem Riesenkessel auf dem ewig bollernden Ofen haben sich alle mit einer Kelle Wasser für ihre Getränke genommen. So auch ich für Tee und Müsli. Praktisch!

Es ist kalt. aber der wieder gefüllte Rucksack (Verpflegung für sieben Tage) sorgt dafür, daß ich auch im Sweatshirt nicht friere. Von dem Abzweig nach Westen, den ich eigentlich gehen will, ist nichts zu entdecken. Jedenfalls nicht bei den Koordinaten, die ich mir auf der Karte eingetragen habe. Darum bleibe ich zuerst auf der Piste, beschließe aber nach etwa 1,5 km, querfeldein auf den Vermessungpunkt zuzuhalten, der mein nächstes Ziel auf der Strecke darstellt. Kurz darauf stoße ich auf eine Reihe oranger Plastikmarkierungen, schräg zu meinem Weg, neben denen eine dezent angedeutete Piste verläuft, der ich folgte. Nach drei Messungen stellt sich jedoch heraus, daß diese Piste nicht parallel zur gesuchten verläuft, sondern immer weiter davon abweicht. Darum halte ich wieder, nachdem ich schon einen beträchtlichen Umweg gelaufen bin, auf den Vermessungspunkt zu. Der Blick auf den Hofsjökull wird zunehmend besser.

Hofsjökull

Immer wieder erwischen mich kurze Schauer, über die Weite ziehende Regenvorhänge, so daß ich zuerst die Regenjacke, dann auch noch die Regenhose anziehe und dem Rucksack seine Plane überstülpe. Die Koordinaten des Vermessungspunktes (von Dieter Graser) erweisen sich als sehr exakt. Landmælingar Islands hat ihn hier ordentlich in die Landschaft gespflanzt, direkt neben die gesuchte Piste, auf der mir später drei Wagen entgegenkommen.

Immer wieder eröffnen sich mir tolle Aussichten auf Gletscher. Der Wind hat zwar nachgelassen, kommt aber gelegentlich in Böen zurück. Darum entscheide ich mich nach der Überquerung des Háumırakvisl dafür, in einem geschützten Seitental, in dem dafür gerade Platz ist, mein Zelt aufzuschlagen. Die Wände floppen manchmal leicht im Wind, das ist alles. Durch den Zelteingang habe ich freien Blick auf den Gletscher. Ich bin zufrieden mit meiner Tagesleistung. Die über den Tag verteilte Kalorienzufuhren in Form von Müsliriegeln und Schokolade scheinen es tatsächlich gebracht zu haben. Nur die Hackenschmerzen stören mich etwas.

Windschutz
Erster Tag
zweiter Tag
2. Tag
dritter Tag
3. Tag
vierter Tag
4. Tag
fünfter Tag
5. Tag
Sechster Tag
6. Tag