Mittwoch, 17. Juli 2002


"Wir halten hier kurz, um einen Fahrgast aussteigen zu lassen", verkündet der Guide über die Lautsprecheranlage des Busses. Der Fahrgast bin ich. Mitten in der Wüste, an der Piste vom Mżvatn zur Askja, steht ein Wegweiser und weist den Weg zu den Kverkfjöll. Der Guide besteht darauf, mich an der Hütte Siguršarskáli über Funk anzumelden, und zwar - er berät sich mit dem Busfahrer über die Länge des Weges - für den 19. Aus "Sicherheitsgründen". Was wohl bedeutet, daß ich nicht länger über den Verlauf meiner Route nachzudenken brauche, sondern die kürzeste Strecke für den Hinweg wählen muß. Nachdem er sich meinen Namen notiert hat, steige ich aus, wuchte meinen Ruchsack aus der Luke am Bauch des Busses und stehe, zusammen mit einem Zeltanhänger, der nicht zu mir gehört, am Abzweig, während der Hochlandbus von Jón Árni Sigfússons Askja Tour davonschaukelt. Mein kleiner Rucksack mit dem Proviant für die nächste Woche macht die Reise weiter mit und wird beim Warden in der Dreki-Hütte abgegeben.

Es ist recht windig. Ich packe noch ein wenig um (Stöcke und Kappe raus, Camera rein...) und gehe gegen 13:00 Uhr los. Die Überraschung des Tages ist das viersprachige Schild an der Pforte zur Brücke über die Jökulsá á Fjöllum: "Willkommen in Krepputunga. Camping (im Auto und Zelt) ist nur in Kverkfjöll (40 km) erlaubt." Toller Auftakt! Wie soll ich das schaffen? Es kommt einer Sperrung des gesamten Gebietes für Wanderer gleich... wenn es ernstgenommen wird.

Da es am Fluß ohnehin kein klares Wasser gibt, keinen Sichtschutz und auch keinen vor dem Wind, gehe ich weiter. Leider habe ich auch noch, um den Geschmack etwas zu variieren, eine Magnesiumtablette (mit Zitronenaroma) in meine Wasserflasche getan. Erst jetzt kommt mir in den Sinn, daß ich das Wasser eventuell auch fürs Essen brauchen werde. Haferflocken mit Zitronengeschmack? Muß nicht sein. Also, Wasser gibt's nicht. Darum bleibt die Küche kalt: Kekse und Schokolade; Zitronentee muß auch nicht sein. Die Strecke scheint übrigens recht gut befahren; mindestens 15 Wagen seit heute mittag.

Da der Boden feucht ist, hält sich der Sandsturm in Grenzen, bleibt meist nur auf Kniehöhe. An der Stelle, wo die Piste F903 nach Süden abbiegt, steht wieder ein einsamer Zeltanhänger. Kein Auto weit und breit. Irgendwo westlich eines zumindest auf meiner Karte namenlosen Höhenzuges an der Strecke nach Hvannalindir, gut verborgen vor der Sicht von der Piste aus, schlage ich mein Zelt auf. Kurz darauf beginnt es zu regnen. In zwei Felsen in der Nähe des Zeltes finde ich Pfützen mit klarem Wasser, das ich mit dem Löffel in meinen Becher schöpfe und dann in die Flasche umgieße. Also gibt's doch ein warmes Abendbrot - mit Blick über die Krepputunguhraun zur Askja.

Aussicht vom Zelt
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